Es gibt Weine, die kann man planen. Und es gibt Weine, bei denen am Ende allein die Natur entscheidet. Eiswein gehört zweifellos zur zweiten Kategorie. Er zählt zu den außergewöhnlichsten und seltensten Weinspezialitäten Deutschlands – und ist jedes Jahr aufs Neue ein kleines Wunder der Natur.
Aktuell haben wir bei den Becksteiner Winzern keinen Eiswein im Verkauf. Nicht, weil wir keinen erzeugen möchten, sondern weil sich ein echter Eiswein schlicht nicht erzwingen lässt. Für seine Entstehung müssen viele Faktoren gleichzeitig zusammenkommen – und genau das macht ihn so besonders.
Was ist eigentlich Eiswein?
Eiswein ist ein hochwertiger Prädikatswein, dessen Trauben in gefrorenem Zustand gelesen und gekeltert werden. Nach deutschem Weinrecht müssen die Trauben bei der Lese gefroren sein. Entscheidend ist dabei natürlicher Frost: Erst wenn die Temperaturen ausreichend tief fallen, gefriert das Wasser in den Beeren.
Beim anschließenden Pressen bleibt ein großer Teil dieses gefrorenen Wassers als Eis in der Kelter zurück. Aus der Presse läuft nur eine geringe Menge hochkonzentrierter Most – reich an Zucker, Säure, Aromen und Inhaltsstoffen.
Genau daraus entsteht die charakteristische Stilistik eines Eisweins: intensive Frucht, natürliche Süße und gleichzeitig eine lebendige, tragende Säure.
Das große Warten beginnt bereits im Herbst
Wer Eiswein erzeugen möchte, muss schon bei der normalen Weinlese eine mutige Entscheidung treffen: Besonders gesunde und geeignete Trauben werden nicht gelesen, sondern bleiben bewusst im Weinberg hängen.
Damit beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit.
Die Trauben müssen möglichst lange gesund bleiben. Gleichzeitig können Regen, Fäulnis, Vögel, Wildtiere oder milde Winter die gesamte geplante Eisweinlese zunichtemachen.
Der Winzer investiert also viel Arbeit und geht ein erhebliches Risiko ein – ohne zu wissen, ob am Ende überhaupt eine einzige Flasche Eiswein entstehen wird.
Ohne Frost kein Eiswein
Der entscheidende Moment kommt meist nachts oder in den frühen Morgenstunden. Erst wenn die Trauben ausreichend durchgefroren sind, kann die Lese beginnen.
Dann muss es schnell gehen.
Oft werden die Trauben noch vor Sonnenaufgang gelesen und unmittelbar verarbeitet. Erwärmen sie sich zu stark, geht der gewünschte Konzentrationseffekt verloren.
Eine Eisweinlese ist deshalb keine gewöhnliche Weinlese. Sie kann kurzfristig erfolgen, bei Dunkelheit, bei Frost und unter schwierigen Bedingungen. Für die Beteiligten ist sie dennoch jedes Mal ein außergewöhnliches Erlebnis.
Warum Eiswein immer seltener wird
Eiswein war schon immer eine Rarität. In den vergangenen Jahren ist seine Erzeugung jedoch noch schwieriger geworden.
Milde Winter und längere frostfreie Perioden führen dazu, dass geeignete Temperaturen nicht zuverlässig erreicht werden. Gleichzeitig steigt mit jedem zusätzlichen Tag, an dem die Trauben im Weinberg verbleiben, das Risiko von Qualitätsverlusten.
Es gibt deshalb Jahre, in denen ein Winzer eine Eisweinparzelle vorbereitet – und am Ende trotzdem keinen Eiswein ernten kann.
Genau darin liegt für uns ein wichtiger Teil seiner Faszination.
Eiswein wird nicht produziert. Eiswein passiert.
Ein Konzentrat aus Frucht, Süße und Säure
Gelingt die Eisweinlese, entstehen Weine von beeindruckender Intensität.
Je nach Rebsorte können sich Aromen von reifem Pfirsich, Aprikose, Honig, exotischen Früchten, Zitrus, kandierten Früchten oder feinen floralen Noten zeigen.
Dabei lebt ein großer Eiswein nicht allein von seiner Süße. Entscheidend ist das Zusammenspiel von hoher natürlicher Konzentration und prägnanter Säure. Sie sorgt dafür, dass der Wein trotz seiner Süße frisch und lebendig wirkt.
Gerade dieses Spannungsfeld macht Eiswein so unverwechselbar.
Kleine Mengen, große Besonderheit
Bei der Eisweinbereitung ist die Mostausbeute ausgesprochen gering. Ein erheblicher Teil der Flüssigkeit verbleibt als gefrorenes Wasser in der Kelter.
Aus einer Traubenmenge, aus der normalerweise deutlich mehr Wein entstehen würde, bleiben deshalb nur wenige Liter hochkonzentrierter Most.
Auch deshalb wird Eiswein häufig in kleineren Flaschen angeboten und zählt zu den wertvollsten Süßweinspezialitäten.
Warum wir aktuell keinen Eiswein anbieten
Immer wieder werden wir in unserer Vinothek nach Eiswein gefragt.
Aktuell müssen wir darauf antworten: Nein, im Moment haben wir keinen Eiswein im Verkauf.
Und eigentlich erzählt genau diese Antwort bereits viel über die Besonderheit dieses Weines.
Wir möchten Eiswein nicht um jeden Preis erzeugen. Die Voraussetzungen müssen stimmen: gesunde Trauben, ein geeigneter Jahrgang und vor allem der notwendige natürliche Frost.
Erst wenn all das zusammenkommt, kann aus einer Idee im Herbst tatsächlich eine Eisweinlese im Winter werden.
Bis dahin gilt für uns:
Eiswein ist kein Wein, den man einfach produziert. Er ist ein Geschenk der Natur – und genau deshalb etwas ganz Besonderes.
Eiswein bei den Becksteiner Winzern
Sollte uns die Natur in einem kommenden Jahr wieder die Voraussetzungen für einen Eiswein schenken, informieren wir selbstverständlich über unsere Website, unseren Newsletter und direkt in unserer Vinothek darüber.
Denn manchmal gehört zum Wein auch eines: Geduld.